Mineralstoffmischungen gehören zu jeder Pferdeernährung dazu. Im Handel werden unterschiedliche Produkte angeboten. Diese unterscheiden sie sich nicht nur in Bezug auf die enthaltenen Mineralien, sondern auch ob Vitamine zugesetzt sind.
Eine weitere Unterscheidung bezieht sich auf die chemische Bindungsform in der die Mineralstoffe vorliegen. Das erkennt man an den Begriffen organisch oder anorganisch gebunden. Was kann man sich darunter vorstellen und welche praktische Bedeutung hat es?
Zunächst ein ganz klein wenig Chemie
Mineralstoffe findet man nie in reiner Form, z. B. als Kalzium- oder Magnesiumatom, sondern sie liegen immer in einer Verbindung mit einem Partner vor, mit dem sie ein Molekül bilden, z. B. als Kalciumcarbonat oder als Magnesiumcitrat. Im ersten Fall ist Kalzium mit dem Rest der Kohlensäure eine Verbindung eingegangen, im zweiten Fall Magnesium mit Zitronensäure.
Derartige Verbindungen nennt man anorganische Verbindungen, weil es Verbindungen zwischen verschiedenen Mineralstoffen oder Mineralstoffverbindungen sind. So findet man viele Mineralstoffe in der Umwelt und in den Pflanzen.
Es gibt aber auch noch eine andere Bindungsform. Bei dieser Form gehen Mineralstoffe eine Bindung mit einer Aminosäure ein. Aminosäuren sind die Grundbausteine von Eiweiß, einem organischen Material, das wir in der belebten Welt antreffen. Wir sprechen von organisch gebundenen Mineralstoffen. Technologisch können solche Verbindungen leicht in größeren Mengen im Labor hergestellt werden.
Der Begriff Bioverfügbarkeit
Der Begriff Bioverfügbarkeit bezieht sich darauf, wie leicht Mineralstoffverbindungen aus dem Darm in den Körper aufgenommen werden können. Anorganisch gebundenen Mineralstoffe haben jeweils eine eigene Eintrittspforte. Nicht alles, was mit der Nahrung aufgenommen wird, gelangt auch ins Blut. Hier gibt es einen gewissen Selektionsmechanismus „brauche ich-brauche ich nicht“.
Da organisch gebundene Mineralstoffe an Aminosäuren gebunden sind, benützen diese andere Eintrittspforten, nämlich diejenigen für Aminosäuren. Aminosäuren braucht der Körper immer, da sagt er nie nein. Deshalb werden so gebundene Mineralstoffe immer schnell und in größerer Menge aufgenommen.
Die Geschwindigkeit, mit der Mineralstoffe ins blut aufgenommen werden, nennt man Bioverfügbarkeit. Diese ist bei organisch gebundenen Mineralstoffen höher als bei anorganisch gebundenen.
Was ist besser, organisch oder anorganisch gebunden?
Hier gibt es kein besser oder schlechter. Der Zweck macht den Unterschied. Für die regelmäßige tägliche Mineralstoffzufuhr ist den anorganischen Mineralstoffen der Vorzug zu geben. Das tägliche Mineralfutter soll ja keinen Mangel beheben, sondern nur die schwankenden Gehalte im Futter ausgleichen. In der Natur nehmen Pferde Mineralstoffe überwiegend in solchen Formen auf und suchen sich Stellen mit Erde oder Sand.
Besteht ein echter Mangel ist den organisch gebundenen Mineralstoffen der Vorzug zu geben. Der Blutspiegel baut sich rasch auf. Deshalb gibt man sie auch nicht dauerhaft, sondern immer nur kurweise, bis der Mangel behoben ist.